Details zur Agridea Studie

  • Eine AGRIDEA-Studie zum Verhalten von Gehegewölfen an Elektrozäunen aus dem Jahr 2015 verwendete folgenden, ungeeigneten Versuchsaufbau / Studiendesign:

    1. Vor dem Versuch wurde den Wölfen 4 Tage lang kein Futter gegeben, was zu hungrigen Wölfen führen sollte. Es ist aber bekannt, dass Wölfe 10 Tage und mehr ohne Nahrung auskommen. Also stellt sich hier die Frage, ob die Wölfe nach 4 Fastentagen genügend „motiviert“ bzw. hungrig waren.
    2. Während der Versuchsphase wurden Fleischstücke hinter den Elektrozaun/Litzenzaun gelegt. Dabei ist fraglich, wie ein Stück „totes Fleisch“ den Jagdtrieb bei einem Wolf auslösen soll. Und wie gesagt, ist zudem nicht klar, ob die Wölfe überhaupt genügend ausgehungert waren, und sich richtig anstrengten, um ans Fleisch zu gelangen.
  • Dass die Wölfe nicht genügend hungrig waren, legt folgende Beobachtung der Studienautoren nahe: Während 83 Prozent (weisse Wölfe) und 95 Prozent (graue Wölfe) der Überwachungszeit waren die Wölfe gar nicht am Zaun (und damit beim angebotenen Futter) anwesend!
  • Wenn sie dann mal kurz dort waren, versuchten die meisten Wölfe via Boden unter dem Litzenzaun durchzukriechen, um an das am Boden liegende Stück Fleisch zu gelangen, was naheliegend ist. Wobei der Litzenzaun einmal „durchsprungen“ wurde. Das Weidenetz wurde insgesamt 3 mal überwunden, jeweils auf dem „Luftweg“. Zitat aus der Studie: „Das elektrifizierte Weidenetz wurde von ein oder zwei weissen Wölfen überwunden. Dabei sprang der Wolf direkt ins Netz, und gelangte somit- aufgrund einer gewissen Elastizität des Weidenetzes- mit einem „Purzelbaum“ auf die andere Seite.“ Gegraben wurde nicht. Was sich mit Beobachtungen anderer Studien deckt (u.a. Thompson 1979, van Liere 2013).
  • In der Realität befindet sich auf der anderen Hagseite lebende Beute, die wegrennt, wenn Wölfe sich nähern. Das löst bekanntlich deren Jagdtrieb aus. Und dabei werden sie wohl kaum am Boden herumrobben, sondern flink hinterher springen. Sie können gut springen, das ist bekannt. Und wurde auch schon mehrfach dokumentiert. Siehe u.a. Film Landry.
  • Möglicherweise springen die eingehagten Tiere sogar selber über den Hag, oder walzen diesen nieder. Über einen liegenden Hag, das hat die Agridea Studie auch gezeigt, springen die Wölfe eher drüber, Zitat: „… sechs Mal sprangen sie über das beschädigte, am Boden liegende Weidenetz.“

FAZIT

Die Ergebnisse dieser Studie sind für die Praxis unbrauchbar. Es ist unverständlich, weshalb AGRIDEA darauf basierend Empfehlungen für angeblich wolfssichere Zäunungen abgibt, wie hier. All diese Zäune sind nachweislich nicht wolfssicher. Siehe hier.

Referenzen

Thompson, B., (1979), Evaluation of Wire Fences for Coyote Control, J Range Management 32(6).

van Liere, D., et al., (2013), Farm characteristics in Slovene wolf habitat related to attacks on sheep, Applied Animal Behaviour Science 144, 46– 56.