Rissklitterung

Immer wieder werden Fakten verschwiegen oder geschönt, damit die Wölfe in der Öffentlichkeit nicht zu schlecht dastehen. Ein besonders „prominenter“ Fakt, der auch bei Abstimmungen zum Thema Wolf eine zentrale Rolle spielt, sind die offiziellen Risszahlen. Diese beziffern unseres Erachtens jedoch nicht annähernd die wahre Anzahl der Haustieropfer, die die Wölfe auf dem Gewissen haben. Wie bereits mehrfach bei wolflos thematisiert, werden viele getötete Haustiere nicht korrekt in der Opferstatistik erfasst. Diese Art der Fehlinformation muss dringend gestoppt werden.

Folgende Beispiele dokumentieren eindrücklich, wie die Verharmlosung der Opferzahlen zustande kommt.

1. Abstürze und Vermisstenfälle nicht erfasst. Nach einer Wolfsattacke werden so gut wie immer unzählige Schafe vermisst. Dass gejagte Schafe im steilen Gelände abstürzen, wissen die Schafhalter. Deshalb werden beispielsweise beim Alpabtrieb im Aletschji keine Hunde eingesetzt. Das Zusammentreiben übernehmen stattdessen junge Männer der Burgerschaft, um so keine Schafabstürze zu riskieren.
Als Beispiel für Vermisstenfälle ist eine Wolfsattacke im Goms am 14.7.21 zu nennen. Es wurden 7 gerissene Schafe gefunden. 3, also 30 %, wurden in Zusammenhang mit der Attacke vermisst, und nicht mehr gefunden. Oder am 10.8.21 im Bedretto, wo 8 Schafe tot aufgefunden wurden, und 30 unmittelbar nach dem Wolfsangriff vermisst wurden, was satte 78 % der Verluste sind! 30 Schafe verschwinden nicht einfach grundlos auf einmal. Im weiteren schildert eine Walliser Schafhalterin folgenden Fall von diesem Sommer. Zitat: „Bei einem Angriff von Wölfen haben sie 16 Schafe angerechnet als Risse, total waren es aber 23. Das ist ein Drittel mehr, da die Vermissten und nicht mehr gefundenen Tiere nicht gezählt werden. Der Hirt hat alle Tiere gezählt, jeden Tag.“ In diesem Fall ist klar dokumentiert, dass die 30% vermissten Schafe auf das Konto des Wolfes gehen, aber trotzdem nicht in der Statistik erscheinen. Dass viele Abstürze & Vermisstenfälle auf Grossraubtiere zurückzuführen sind, zeigen internationale Studien: die Anzahl vermisster Schafe nach Wolfsattacken beträgt je nach Terrain-Eigenschaften zwischen 40 -67% der tot aufgefundenen Tiere! [1,2]

2. Nicht gemeldete Verluste. Manche Tierhalter scheinen bereits resigniert zu haben, oder scheuen den bürokratischen Spiessrutenlauf, und melden daher Risse gar nicht mehr. Das belegen etliche Berichte von diesem Sommer. Der Walliser Bote vom 18.8.21 schildert einen Fall aus dem Unterwallis, wo gegen 30 Schafe getötet, und weitere verletzt wurden. Als Reaktion auf die Attacke haben die Tierhalter ihre Schafe abgealpt. Die Verluste haben sie jedoch nicht dem Wildhüter gemeldet, sie haben kapituliert. Eine sehr bedenkliche Entwicklung.

3. Spitzfindigkeiten zum ersten: DNA Proben nicht geeignet. Bei jedem aufgefundenen Haustieropfer wird eine DNA Probe genommen, um eindeutig festzustellen, dass der Wolf der Täter war. Schon wie bei einem echten Menschenkrimi… In der Statistik fehlen dann aber diejenigen Fälle, bei denen beispielsweise Füchse, die an den Opfern fressen, eine korrekte DNA Beprobung vereiteln. Anhand der Umstände sollte doch klar sein, ob es ein Wolf war oder nicht. Und der Riss sollte entsprechend erfasst werden, auch wenn die DNA Probe nicht eindeutige Resultate liefert. Diese Art von Erbsenzählerei ist unverständlich. Es ist doch bloss ein Wildtier, und kein Mensch, der da eventuell zu unrecht beschuldigt wird!

4. Spitzfindigkeiten zum zweiten: fehlende Ohrmarken. Wie ein Fall aus Glarus zeigt, bestehen noch andere Tricks, wenn es ums „korrigieren“ der Risszahlen geht. Auf der Bischofalp wurden im August 2021 insgesamt 11 Schafe vom Wolf getötet. Es wurden aber „nur“ 6 Schafe als Risse taxiert (siehe Bild unten, Ausschnitt aus dem Schweizer Bauer vom 20.10.21, der die Schadensbilanz Wolf publizierte). Bei den anderen 5 Schafen konnte die Ohrmarke nicht gefunden werden, weshalb sie nicht als Risse gezählt wurden. Das ist ein Anteil von 45%, der da in der Rissstatistik verschwiegen wird. Eine absolut unverhältnismässige Spitzfindigkeit. Die 5 Schafe sind eindeutig Wolfsopfer, Ohrmarke hin oder her. Es geht doch hier nicht um die Rückverfolgbarkeit von Fleischprodukten ! Aber offensichtlich ging es ja auch primär darum, eine Abschussbewilligung zu vereiteln.

Die Wolfslobby prangert die Schafhalter ja gerne als schlechte Tierhalter an. Tatsache ist aber, dass auch diesen Alpsommer unzählige besorgte Tierhalter ihre Schafe nach Wolfsattacken abgealpt haben. Damit verhinderten sie, dass noch mehr Risse zu beklagen sind. Und das auf eigene Kosten: der logistische Aufwand des frühzeitigen Abtriebes, die Kosten für den angestellten Hirten, oder die zusätzlichen Futterkosten im Tal werden nicht entschädigt. Ganz abgesehen davon, dass auch hier wieder das Tierwohl leidet, denn im Tal ist es im Sommer wesentlich heisser, als auf den Alpen.

Wie obige Beispiele dokumentieren, wird die Zahl der Opfer immer zu Gunsten der Wölfe nach unten „korrigiert“. Und das nicht zu knapp. Zynisches Verhalten der Wolfslobby – nicht zum ersten, und nicht zum letzten mal.

[1] Seim V., (2001 ) Elevage ovin et grands carnivores en Norvège, Rencontre européenne des éleveurs victimes des prédateurs, Nice, 8 septembre 2001, p. 21-25

[2] Bacha, S., Bataille, J.-F., and Garde, L. (2007) Indemnisation des pertes et evaluation des couts reels. In: ‘Loup – Elevage: s’ouvrir a` la complexite ́’. Actes du seminaire des 15 et 16 juin 2006. (Ed. L. Garde.) pp. 150–161.

Ein Kommentar

  1. Christoph said:

    In den Augen der Wolfslobby besteht Schaden nur in den Tieren, die kriminalistisch nachweislich vom Wolf getötet wurden und stellt es ein grosses Geschenk der Gesellschaft dar, wenn eine Abgeltung erfolgt. Mitunter wird auch bedauert, dass die Bauern dafür wenig Dankbarkeit zeigen.
    Alle Arbeit und übrige Kosten sind irrelevant und werden mehr oder weniger subtil in die Verantwortung der Tierbesitzer abgeschoben.
    Erzwungene Almabtriebe werden von der Wolfslobby als Aktionismus gesehen, um in der Bevölkerung Aufmerksamkeit zu erlangen.

    25. November 2021
    Reply

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