Regulierung von Wölfen und die Auswirkungen auf Risszahlen

  1. Einleitung

Nachdem nun also die Lügengeschichten zum angeblich funktionierenden Herdenschutz erodieren, und immer mehr Abschussgesuche gestellt werden, müssen die Wolfsfanatiker die nächste Unwahrheit zu Gunsten ihrer Lieblinge erfinden.
Rasch wird ein neues Märchen bemüht: Abschüsse, und damit die Dezimierung von Wölfen soll nicht, so wird behauptet, zur Reduktion der Risszahlen führen, sondern eher zu einer Erhöhung. Agridea hat diese neue Taktik bereits vorgespurt: Im Jahresbericht 2020 ist in Kapitel 6 nachzulesen: „Zudem wurde im Rahmen einer Bachelorarbeit die Risssituation vor und nach einer Abschussbewilligung untersucht. Der Endbericht zu diesem Projekt wird im 2021 verfasst und veröffentlicht.“ Wenig überraschend ist dieses Werk von „Jugend forscht“ noch nicht erschienen, obwohl heute der 29.12.2021 ist …

Wir können hier dennoch getrost unsere abschliessende Zusammenfassung zu diesem Thema präsentieren. Es existieren nämlich bereits relevante wissenschaftliche Publikationen dazu.

Die Studien zeigen: wie stark die Risse durch Abschüsse reduziert werden können, hängt von der Reproduktionsrate der Wölfe ab, was eigentlich nicht überrascht. Liegt die Abschussquote unter der Reproduktionsrate, so steigen die Risse weiterhin an, wenn auch weniger steil, wie eine französische Studie belegt, die Daten von mehr als 20 Jahren ausgewertet hat [2]. Übersteigt die Abschussquote die Reproduktionsrate, so sinken die Risszahlen, wie eine US Studie belegt [3]. Diese berücksichtigt Daten aus den US Staaten Idaho, Montana and Wyoming der Jahre 1987–2012, also von einem Zeitraum von 25 Jahren.

2. Gesunder Menschenverstand

Eigentlich leuchten diese Studienergebnisse unmittelbar ein. Ich gehe im folgenden kurz darauf ein, was wir gerade in der Schweiz beobachten können (Fall A), und wie es weitergehen könnte (Fall B).

Fall A. Abschussquote < Reproduktionsrate: die Anzahl Wölfe steigt weiterhin nahezu ungebremst. Und je mehr Wölfe unterwegs sind, desto mehr Weidetier-Risse finden statt – wenig überraschend; denn die Ernährung der Wölfe besteht bekanntlich (s. Im Reich der Lügen) zu einem grossen Teil aus Haustieren.
Im Moment liegt die Abschussquote in der Schweiz weit unter der Reproduktionsrate. Daher steigen die Risszahlen immer noch weiter an, und zwar exponentiell, siehe Abbildungen 1 und 2 weiter unten.

Fall B. Abschussquote > Reproduktionsrate: die Anzahl Wölfe sinkt. Je weniger Fleischfresser herumschleichen, desto weniger Risse sind zu verzeichnen. Man bewegt sich dann sozusagen bei den untenstehenden Abbildungen 1 und 2 auf der Horizontalen Achse von rechts nach links. In der Schweiz muss dringend die Anzahl Risse reduziert werden. Am besten wird so lange geschossen, bis keine Risse mehr stattfinden … siehe Fazit ganz unten.

Abbildung 1: Die Entwicklung der Risszahlen in der Schweiz (blau), und der Anzahl Wölfe (rot), jeweils mit exp. Regressionskurve. Datenquelle: KORA [1].

Fasst man die blaue und rote Kurve in Abbildung 1 in einer zusammen (x=Anzahl Wölfe, y=Anzahl Risse), sieht das so aus:

Abbildung 2: Situation in der Schweiz: Anstieg der Risse in Abhängigkeit der Anzahl Wölfe zwischen 2011 und 2020 mit linearer Regressionslinie. Jedes Rechteck repräsentiert ein Jahr, beginnend mit 2011 ganz links, bis zum Jahr 2020, rechts oben. Die Abschusszahlen sind in der Schweiz lächerlich klein. Deshalb steigen die Risszahlen ungebremst wie die Wolfspopulation auch weiter an.

Abbildung 2 zeigt, wie die Anzahl Risse kontinuierlich mit der Anzahl Wölfe ständig steigt. Dasselbe ist in anderen Ländern zu beobachten, wo die Abschusszahl kleiner als die Reproduktionszahl ist. Abbildung 3 zeigt beispielsweise die Situation in Frankreich.

Abbildung 3: Die Grafik stammt aus [2], und zeigt den Zusammenhang zwischen der Anzahl Wölfe (x-Achse) und den Risszahlen (y-Achse) in Frankreich. Ab Ende 2016-2018 konnten 10% der Wölfe geschossen werden. Dies bei einer Reproduktionsrate von 15-22%. Ab 2019 wurden dann 17% der Population entnommen, womit die Zunahme der Population auf 9% gedrosselt wurde. In der Grafik ist gut zu sehen, dass die Risszahlen seit Einführung der Regulierung zwar weiterhin leicht steigen – ebenso die Anzahl Wölfe – jedoch nicht mehr so stark, wie vor den Abschüssen. Die Autoren weisen darauf hin, dass die Daten zu den Abschüssen nur von wenigen Jahren stammen, und für statistische Aussagen und Trends noch weitere Daten gesammelt werden müssten.

Es ist festzuhalten: Die Risszahlen steigen sowohl in Frankreich, als auch in der Schweiz stark an, trotz gigantischem Herdenschutzaufwand. Dieser versagt, weswegen die Franzosen dazu übergegangen sind, zu schiessen. Leider noch viel zu zurückhaltend. Wie Abbildung 3 zeigt, wurden im Jahr 2019 immer noch über 12’000 Haustiere grausamst von den Wölfen getötet. Die Tierquälereien haben Europaweit ein unerträgliches Ausmass angenommen, das ist inakzeptabel! Unfassbar, dass so etwas in zivilisierten Ländern von den staatlichen Autoritäten gefördert wird.

3. Die Risszahlen sinken, sobald gilt: Abschussquote > Reproduktionsrate

Übersteigt die Abschussquote die Reproduktionsrate, so sinkt die Anzahl Wölfe, und damit auch die Anzahl Risse, wie eine US Studie zeigt [3].

Abbildung 4: Die Grafik stammt aus [3] und zeigt, wie sich die Anzahl gerissener Schafe (y-Achse) in Abhängigkeit der Anzahl geschossener Wölfe (x-Achse) entwickelt. Der höchste Punkt der Kurve (ungefähr beim roten Punkt) liegt dort, wo die Abschussquote gleich gross wie die Reproduktionsrate der Wölfe ist. Ab diesem Moment beginnt die Wolfspopulation zu sinken. Werden mehr Wölfe geschossen, so gehen die Risszahlen erwartungsgemäss zurück, da die Anzahl Wölfe insgesamt sinkt.

Ein weiteres sehr interessantes Ergebnis dieser Studie ist, dass sich Risszahlen je nach Tierart unterschiedlich entwickeln. Bei Tieren der Rindergattung steigen pro jedem weiteren Wolfspaar, das Junge aufzieht, die Risszahlen um 8-9%, wohingegen jeder weitere Einzelwolf die Anzahl Schafsrisse um etwa 6% erhöht [3]. Das heisst, die Anzahl Wolfsrudel beeinflusst massgeblich die Risszahlen bei der Rindergattung. Einzelwölfe konzentrieren sich mehr auf kleine Wiederkäuer, weil diese für sie leichter zu erbeuten sind, als Wildtiere. Wobei natürlich auch Rudel Schafe reissen. Das Ganze hängt zudem mit der Anzahl Tiere der jeweiligen Gattung zusammen, die draussen auf den Weiden gehalten werden.

Idaho hat 2020 auf die nicht mehr tolerierbaren grossen Schäden bei den Weidetieren reagiert. Siehe hier.

Fazit: Die Risszahlen sinken erst, wenn die Abschussquote höher als die Reproduktionsrate ist. In Frankreich beträgt letztere etwa 22% [2]. In den untersuchten US Staaten liegt sie bei 25% [3]. Unter der Annahme, dass sie in der Schweiz ähnlich hoch ist, müssten also jährlich mehr als 22% -25% der Wolfspopulation geschossen werden, um einen weiteren Anstieg der Risszahlen zu verhindern. Das wären für das Jahr 2021 bei rund 150 Wölfen in der Schweiz 38 notwendige Abschüsse, und das nur, um die Risszahlen nicht noch weiter steigen zu lassen. Davon sind wir im Moment aber weit entfernt. Und so wird der Blutzoll immer noch grösser.
Wir sind der Auffassung: das bestialische, unethische Gemetzel an unseren Weidetieren muss aufhören, die Risszahlen müssen massiv gesenkt werden. Am besten wird so lange geschossen, bis sich kein Wolf mehr bei Mensch und Haustier blicken lässt. Diejenigen Wölfe, die übrig bleiben, sind dann so scheu, wie das von WWF und Konsorten angepriesen wird. Falls dann jedoch alle Wölfe weg sind, tja dann hat sich gezeigt: eine friedliche Koexistenz mit diesen Raubtieren ist unmöglich. Was ja notabene schon unsere Vorfahren wussten.

[1] Datenquelle KORA, Zugriff Dezember 2021: Update: Da KORA zwischenzeitlich ihre Webseite vollkommen umstrukturiert hat, und sinnigerweise alle bisherigen URL’s nicht mehr gültig sind: hier der neue Link (Stand 2.2.22) zu den Risszahlen, und dem Wolfsbestand.
[2] Meuret, M., et al., Missing shots: has the possibility of shooting wolves been lacking for 20 years in France’s livestock protection measures? The Rangeland Journal, (42) 2020
[3] Wielgus, R., et al., Effects of Wolf Mortality on Livestock Depredations, PloS ONE 9 (12) 2014

2 Comments

  1. Christoph said:

    Jeder Bauer weiss: weniger Kühe = weniger fressen = weniger Kälber
    weniger Schafe = weniger Heu = weniger Lämmer

    Für mich im Lügenranking von proWolf weit oben:
    Kein Wolfsabschuss, weil sie es so gut meinen mit den Tierhaltern und mehr Risse verhindern wollen.

    Ich denke jeder Bauer, der einen Wolf erschiessen darf, nimmt das „zusätzliche“ Risiko gern in Kauf.

    „Lügen für den Artenschutz“ nein danke !

    30. Dezember 2021
    Reply
    • anna said:

      Ja genau so ist es, danke für Deinen Kommentar. So ein Abschuss kann durch einen Rechtfertigungsgrund rechtmässig sein, und damit ungestraft bleiben. Zu diesem Thema werden wir demnächst einen Beitrag aufschalten.

      30. Dezember 2021
      Reply

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.