Der Berg kreisste und gebar eine Maus

Die Regierungskonferenz der Gebirgskantone brachte trotz riesigem Aufwand einen völlig unbrauchbaren Vorschlag hervor: das BAFU soll dafür sorgen, dass künftig schweizweit „nur“ noch 17 Wolfsrudel ihr Unwesen treiben. Kein Wort davon, dass die unerträglich hohen Risszahlen massiv gesenkt werden müssen – am besten auf Null – dass die physische und psychische Belastung der Weidtierhalter und die bedrohlichen Situationen der Bewohner in den Wolfsgebieten zeitnah durch Entnahmen verhindert werden müssen.
Man könnte den Eindruck gewinnen, hinter dieser „Maus“ stecken einmal mehr die Wolfsbefürworter. Denn mit der vorgeschlagenen, viel zu hohen Rudelanzahl – sie entspricht in etwa der derzeitigen Anzahl – geht das Gemetzel und Elend auf den Alpen und Heimbetrieben unvermindert weiter. Im laufenden Jahr starben bereits über 1000 Weidetiere einen grausamen Tod. Mit dem vorliegenden Vorschlag würden also jährlich über 1000 Risse zur Regel. Und was passiert mit verhaltensauffälligen Rudeln, Paaren und Einzeltieren, wie auf der Alp Stutz oder Schlappin Börter?
Das Ziel der Wolfsregulierung muss eine zeitnahe, unkomplizierte und drastische Reduktion der Anzahl Wölfe, und damit der Risse und bedrohlichen Situationen sein. Die Risse sollten gegen Null sinken. Und dazu steht bisher nur ein zielführender Vorschlag im Raum, nämlich der des Bündner Bauernverbandes: Zwei unauffällige Rudel. Knapp und elegant formuliert. Mit unauffällig ist gemeint, dass sich die Wölfe weder Menschen noch Haustieren nähern. Ansonsten wird solange reguliert, bis das Fehlverhalten aufhört. Dieser „Schweizer Beitrag“ ist mehr als genug für eine schadstiftende und gefährliche Spezies, die noch nie vom Aussterben bedroht war.
Der Vorschlag der Regierungskonferenz ist nicht nur betreffend der viel zu hohen Anzahl Rudel zu kritisieren. Besonders peinlich ist, dass diese Leute die Wolfsregulierung in den Händen des BAFU belassen wollen. Kantonsvertreter stellen sich also gegen den Föderalismus. Wie sinnig. Die Macht des BAFU muss endlich angemessen begrenzt werden. Die Wolfsregulierung gehört einzig und alleine in die Hände der Kantone, und damit der Betroffenen. Nur so ist eine zeitnahe und pragmatische Regulierung möglich. Die Bevölkerung unterstützt das ganz klar.

Umfrage 20 Minuten vom 10. Juli 2022.

FAZIT: Liebe Weidetierhalter, Freunde der extensiven Weidtierhaltung und echte Tierfreunde: setzt euch bitte dafür ein, dass der Vorschlag des Bünder Bauernverbandes umgesetzt wird. Alle anderen, bisherigen Vorschläge sind untauglich und daher abzulehnen. Sonst hat das Elend nie ein Ende.

Nachtrag: wie kam dieser unbrauchbare Vorschlag zustande?
Die Regierungskonferenz hat als Basis für ihren Vorschlag drei Berichte in Auftrag gegeben: Zwei Grundlagenpapiere, eines zum Thema Herdenschutz, und eines zum Thema Schutz der Kulturlandschaft. Beide Berichte stammen vom Büro Alpe. Des weiteren haben zwei Wildtierbiologen der Universität für Bodenkultur Wien einen Projektbericht mit dem klingenden Titel „Wildtiermanagement – Wolf. Vergleichende Bestandsszenarien für den Wolf in der Schweiz und Handlungsvorschläge für ein praxisorientiertes Wolfsmanagement in den Schweizer Gebirgskantonen“ erstellt.
Die Berichte enthalten etliche fachliche Fehler und unzutreffende Aussagen, welche die Autoren diskreditieren. Und es ist mehr als zweifelhaft, dass die Arbeiten wissenschaftlichen Standards standhalten. Die Wiener Biologen behaupten doch u.a. tasächlich, Wölfe würden sich auch von Mäusen ernähren (Seite 22). Dabei ist bekannt, dass Mäuse nicht zur Wolfsnahrung gehören (Mech et al 2015). Des weiteren behaupten die Alpe-Büro-Autoren beispielsweise, dass es keine wissenschaftlichen Studien gibt, welche die Auswirkungen der Wolfswiederansiedlung auf die psychische Gesundheit der Weidetierhalter untersucht haben (Seite 19). Das ist falsch. Wir können mindestens drei solche Studien nennen. Über eine davon haben wir berichtet.

Und das sind nur zwei von vielen Beispielen; nicht überraschend sind die Schlussfolgerungen der Berichte nicht nachvollziehbar; sie entsprechen nicht dem Stand der Forschung, da die Autoren diesen offenkundig gar nicht zu kennen scheinen; es ist sehr bedauerlich, dass den Schweizer Behörden keine besseren Fachkräfte zur Verfügung stehen.

Wie sagt Lichtenberg so schön: … bei schlafendem Menschenverstand ausgeheckt.

Referenzen

Mech, LD, Smith DW, MacNulty DR, (2015), Wolves on the hunt, The University of Chicago Press.

Ein Kommentar

  1. Annette Vieli said:

    Mitten ins Herz
    Danke für alles

    29. September 2022
    Reply

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