Der Fall Bonstetten – Nachtrag zur KORA Wundertüte

KORA hat kürzlich endlich eingeräumt, dass Elektrozäune – mit 90 cm Höhe, wie sie von Agridea bisher empfohlen wurden – keinen Schutz vor Wolfsangriffen bieten. Wir haben darüber berichtet.

Wie ein trauriger Vorfall vom 24.3.22 zeigt, schützen auch noch höhere Elektrozäune nicht vor Raubtierangriffen. 25 Schafe der seltenen Spiegelschafrasse wurden letzten Donnerstag in der Nähe von Bonstetten massakriert. Und das, obwohl der Schafhalter seine Tiere mit einem 105 cm hohen Elektroweidezaun mit 8000 Volt eingehagt hatte. Alles auf einer topfebenen Weide. Das sind 15 cm höher, als die von Agridea für den Herdenschutz empfohlenen 90 cm hohen Weidenetze. Das Raubtier übersprang auch die 105 cm. Die anwesenden Fachleute waren der Auffassung, es sei ein Wolf gewesen. Die DNA Bestätigung ist noch ausstehend.

Das zeigt einmal mehr: Die Weidetierhalter wurden zu unrecht beschuldigt, wenn Wölfe ihre korrekt eingehagten Schafe reissen. Weder 105 cm hohe Zäune, noch 115 cm hohe Elektrozäune bieten Schutz (van Liere et al. 2013). In Slowenien beispielsweise verwenden die Schafbauern Weidzäune mit 115 cm Höhe nur noch, damit der Staat ihnen eine Entschädigung für gerissene Schafe bezahlt. Schutz bieten auch nicht die 115 cm hohen Zäune.

UPDATE 12.4.22: DNA belegt, dass die Schafe in Bonstetten von einem Wolf getötet wurden.

Fazit

Tatsache ist, dass alle Herdenschutzmassnahmen versagen, es gibt keinen Schutz vor den Räubern. Genau aus diesem Grund haben unsere Vorfahren die Wölfe entfernt. Alles andere ist Lug und Trug, Augenwischerei. Eine Koexistenz ist unmöglich.

Gemäss dem Bericht aus der Bauerzeitung vom 25.3.22, hatten sogar die anwesenden Polizisten in Bonstetten ob den grausam gerissenen Schäfli Tränen in den Augen. Mitgefühl haben nur Menschen mit Herz.

PS 1: Bei den Spiegelschafen handelt es sich um eine sehr seltene, alte Bündner Schafrasse, die nur dank der Bemühungen von ProSpecieRara vor dem Aussterben bewahrt wurde. Es leben aktuell lediglich knapp 3000 dieser wunderschönen Schafe. Damit sind sie wesentlich bedrohter als Wölfe!

PS 2: Guter Filmbeitrag zum Fall Bonstetten von Tele M1.

Referenz
van Liere, D., et al. (2013), Farm characteristics in Slovene wolf habitat related to attacks on sheep, Applied Animal Behaviour Science 144, 46– 56

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